Zwei Flüsse, viele Kanäle
Berlin liegt in einem eiszeitlichen Urstromtal, und das sieht man bis heute: Rund 6,6 Prozent der Stadtfläche sind Wasser, knapp 59 Quadratkilometer.
Die Spree ist der Fluss der Innenstadt. Knapp 400 Kilometer lang, entspringt sie im Lausitzer Bergland und erreicht Berlin im Südosten, wo sie den Großen Müggelsee durchquert. Auf rund 44 Kilometern windet sie sich dann durch die Stadt: an der Köpenicker Altstadt vorbei, wo die Dahme einmündet, durch Treptow, an der East Side Gallery entlang, um die Spreeinsel mit Museumsinsel und Dom, durch den Spreebogen am Reichstag und schließlich nach Spandau, wo sie in die Havel mündet.
Die Havel, rund 334 Kilometer lang, prägt den Westen. In Berlin weitet sie sich zu seenartigen Becken wie der Unterhavel und bildet mit dem Wannsee eine Wasserlandschaft, die bei Potsdam in die Schlösserlandschaft übergeht. Zusammen kommen Spree, Dahme und Havel im Stadtgebiet auf rund 89 Kilometer, dazu rund 67 Kilometer Kanäle und 58 Seen, die größer als ein Hektar sind.
Brücken und Schleusen
An keinem Bauwerk lässt sich das Verhältnis der Stadt zu ihrem Fluss so gut ablesen wie an der Oberbaumbrücke.
Zwischen 1894 und 1896 nach Entwürfen von Otto Stahn errichtet, überspannt sie die Spree auf rund 150 Metern mit sieben Bögen; zwei 34 Meter hohe Türme rahmen die Mitte. Seit 1902 fährt auf dem oberen Deck die U-Bahn, darunter teilen sich Autos, Räder und Fußgänger die Brücke. Ihr Name erinnert an den „Oberbaum“, einen mit Nägeln gespickten Stamm, mit dem die Zollstelle einst den Fluss sperrte.
Die Geschichte der Brücke ist die der geteilten Stadt. Im April 1945 sprengten deutsche Truppen einen Teil des Mittelbogens, ab 1961 bildete die Spree hier die Grenze; von 1972 an diente die Brücke als Übergang für Fußgänger aus West-Berlin. Am 9. November 1994 wurde sie wieder für den Verkehr freigegeben, der stählerne Mittelteil stammt von Santiago Calatrava. Zwei Neonhände von Thorsten Goldberg spielen an der Brücke unermüdlich „Schere, Stein, Papier“. Spreeaufwärts ragt seit 1999 der „Molecule Man“ von Jonathan Borofsky rund 30 Meter aus dem Fluss, dort, wo Kreuzberg, Friedrichshain und Treptow aneinanderstoßen; flussabwärts beginnt die East Side Gallery.
Mehr Brücken als Venedig
Der Satz stimmt – mit Einschränkungen. Allein das Land Berlin ist für rund tausend Brückenbauwerke zuständig, hinzu kommen Brücken der Bahn und der Autobahnen. Venedig wird meist mit etwa 400 Brücken angegeben. Gezählt wird allerdings nicht nach derselben Methode: In Berlin gehen auch Überführungen über Bahntrassen und Straßen in die Statistik ein. Am schönsten erlebt man die Brücken am Uferweg zwischen Nikolaiviertel, Museumsinsel und Monbijoupark.
„Berlin hat mehr Brücken als Venedig – es zählt nur anders.“
Schleusen
Weil die Spree aufgestaut ist, müssen Schiffe Höhenunterschiede überwinden. Die Mühlendammschleuse neben dem Nikolaiviertel ist die zentrale Schleuse der Spree, am Landwehrkanal regeln die Oberschleuse und die Unterschleuse den Wasserstand. Auf längeren Rundfahrten gehört das Warten in der Schleusenkammer dazu.
Der Landwehrkanal
Der Landwehrkanal ist die Uferpromenade des Berliner Südens.
Zwischen 1845 und 1850 angelegt, nach Plänen, die auf Peter Joseph Lenné zurückgehen, ist er knapp elf Kilometer lang und verbindet die Spree am Osthafen mit der Spree in Charlottenburg; 36 Brücken queren ihn. Heute fahren auf ihm vor allem Ausflugsschiffe, Paddelboote und Ruderer.
Besonders reizvoll ist er zwischen Kottbusser Tor und Urbanhafen. Auf der Kreuzberger Seite verläuft das Paul-Lincke-Ufer, gegenüber in Neukölln das Maybachufer mit seinem Wochenmarkt, an der Admiralbrücke treffen sich an Sommerabenden Nachbarn und Besucher. Zwischen Halleschem Tor und Möckernbrücke begleitet die Hochbahn den Kanal auf ihrem Viadukt. Im Tiergarten erinnert ein Denkmal am Ufer an Rosa Luxemburg, deren Leiche Freikorpssoldaten nach ihrer Ermordung am 15. Januar 1919 in den Kanal warfen. Mehr über die Viertel am Wasser lesen Sie unter Kieze.
Auf dem Wasser unterwegs
Vom Schiff aus wirkt Berlin ruhiger und offener.
In der Innenstadt bieten Ausflugsschiffe verschiedener Anbieter Rundfahrten an. Kurze Touren dauern meist etwa eine Stunde und führen durch das historische Zentrum zum Regierungsviertel und zurück. Längere Fahrten umrunden über Spree und Landwehrkanal die Innenstadt. Von Treptow aus fahren Schiffe flussaufwärts nach Köpenick und zum Müggelsee, im Westen über Havel und Wannsee bis nach Potsdam. Anlegestellen, Routen und Fahrzeiten wechseln mit der Saison; vergleichen Sie die Angebote vor Ort.
Weniger bekannt ist, dass einige Fährlinien zum öffentlichen Nahverkehr gehören und mit einem gewöhnlichen Fahrschein genutzt werden können. Die bekannteste verbindet den Wannsee mit Kladow am anderen Havelufer und braucht für die Überfahrt rund 20 Minuten.
Tipp
Selbst paddeln
An vielen Ufern lassen sich Kanus oder Paddelbretter leihen. Auf Spree, Havel und Kanälen herrscht Schiffsverkehr: Halten Sie sich am rechten Rand, meiden Sie Schleusen und Anleger, und tragen Sie eine Schwimmweste.
Wannsee, Pfaueninsel und Müggelsee
Am Stadtrand werden aus Flüssen Seen – im Westen an der Havel, im Südosten an der Spree.
Wannsee
Der Große Wannsee ist eine Bucht der Havel, knapp drei Quadratkilometer groß und an Sommerwochenenden voller Segel. An seinem Ostufer liegt das Strandbad Wannsee, 1907 eröffnet und mit rund 1,3 Kilometern Sandstrand eines der größten Binnenseebäder Europas. Die langen Hallen entstanden 1929/30 nach Plänen von Richard Ermisch und Martin Wagner und stehen unter Denkmalschutz. Berühmt wurde das Bad auch durch das Lied „Pack die Badehose ein“, mit dem Cornelia Froboess 1951 als Kind bekannt wurde.
Am Westufer, in einer Villa von 1914/15, besprachen am 20. Januar 1942 hochrangige Vertreter von NS-Ministerien und SS die Organisation der Deportation und Ermordung der europäischen Juden; heute ist das Haus der Wannsee-Konferenz eine Gedenk- und Bildungsstätte (siehe Erinnerungsorte).
Pfaueninsel
Steckbrief Pfaueninsel
- Lage
- in der Havel, Ortsteil Wannsee
- Größe
- rund 67 Hektar
- Schloss
- 1794 bis 1797 für Friedrich Wilhelm II.
- Welterbe
- seit 1990
- Zugang
- nur mit der Fähre
Ein Stück havelabwärts, nur per Fähre erreichbar, liegt die Pfaueninsel. König Friedrich Wilhelm II. ließ hier ab 1794 ein kleines weißes Schloss errichten, gestaltet wie die Ruine einer mittelalterlichen Burg. Peter Joseph Lenné formte die Insel ab 1821 zum Landschaftspark, frei laufende Pfauen gaben ihr den Namen. Als Teil des UNESCO-Welterbes „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“ und Naturschutzgebiet hat sie eine strenge Parkordnung: Hunde, Fahrräder, Rauchen und Baden sind nicht erlaubt. Den aktuellen Stand nennt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten.
Müggelsee
Im Südosten liegt der Große Müggelsee, mit gut sieben Quadratkilometern der größte See Berlins. Die Spree fließt mitten durch ihn hindurch. Am Nordufer liegt Friedrichshagen, dessen Bölschestraße vom S-Bahnhof zum See führt. Am Südufer steigen die Müggelberge auf, mit 115 Metern die höchste natürliche Erhebung der Stadt. Das Strandbad Müggelsee in Rahnsdorf stammt wie die Wannseehallen von 1929/30.
Baden – aber an den richtigen Stellen
Baden in Berliner Seen ist erlaubt und beliebt. Entscheidend ist, wo.
Das Landesamt für Gesundheit und Soziales überwacht rund 40 offizielle Badestellen an Seen und an der Havel. Während der Badesaison, die in der Regel von Mitte Mai bis Mitte September dauert, werden dort regelmäßig Proben genommen; bewertet werden Keime, Sichttiefe und Blaualgen. Die Ergebnisse stehen im Internet und auf Tafeln an den Badestellen. Zuletzt schnitten die meisten Berliner Badegewässer gut bis ausgezeichnet ab – nach Starkregen oder bei einer Blaualgenblüte kann sich das aber schnell ändern.
In der Spree in der Innenstadt, im Landwehrkanal und in den übrigen Kanälen ist Baden verboten, ebenso in Häfen, an Schleusen und in der Nähe von Brücken und Schiffsanlegern. Gründe sind der Schiffsverkehr und die Wasserqualität: Bei starkem Regen gelangt über die Mischkanalisation Abwasser in die Flüsse.
Achtung
Baden Sie nur an ausgewiesenen Stellen und nie in Fahrrinnen. Schwimmen Sie nicht nach Alkoholgenuss, springen Sie nicht in unbekannte Gewässer und unterschätzen Sie die Kälte des Wassers im Frühsommer nicht. Kinder gehören am Wasser immer in Sichtweite.
So kommen Sie hin
- S + U
Warschauer Straße / Schlesisches TorBeide Bahnhöfe liegen nahe den Enden der Oberbaumbrücke.
- U
Kottbusser Tor / SchönleinstraßeWenige Minuten zum Paul-Lincke-Ufer und Maybachufer.
- S
Wannsee / NikolasseeFähre nach Kladow ab dem Anleger nahe dem S-Bahnhof Wannsee; zum Strandbad Wannsee rund eine Viertelstunde zu Fuß ab Nikolassee.
- Bus
PfaueninselBus ab S-Bahnhof Wannsee zum Anleger, dann mit der Inselfähre.
- S + Tram
FriedrichshagenÜber die Bölschestraße zu Fuß oder mit der Tram zum Müggelsee.
- S
Treptower ParkAnleger für Ausflugsschiffe am Treptower Hafen.
Linienführung und Fahrpläne ändern sich – bitte vor der Fahrt die aktuellen Verbindungsauskünfte prüfen.